14.02.2026

Führungsstile in der Pflege

Führungsstile in der Pflege sind weit mehr als theoretische Modelle. Sie prägen den Arbeitsalltag, das Teamklima, die Motivation der Mitarbeitenden und letztlich auch die Qualität der Versorgung. Gerade in der Pflege treffen hohe Verantwortung, emotionale Belastung und strukturelle Herausforderungen aufeinander. In diesem sensiblen Umfeld entscheidet Führung darüber, ob Teams stabil bleiben oder auseinanderdriften. Viele Leitungskräfte in der Pflege sind fachlich hervorragend ausgebildet, doch auf ihre Führungsrolle werden sie oft nur begrenzt vorbereitet. Sie stehen zwischen wirtschaftlichen Vorgaben, Personalmangel und den Bedürfnissen ihrer Mitarbeitenden. Dabei wird schnell deutlich: Es gibt nicht den einen perfekten Führungsstil in der Pflege. Vielmehr braucht es ein bewusstes, reflektiertes Verständnis von Führung – angepasst an Situation, Team und Organisation. Dieser Beitrag zeigt Dir, welche Führungsstile in der Pflege besonders relevant sind, welche Chancen und Risiken sie mit sich bringen und wie Du Deinen eigenen Führungsstil nachhaltig weiterentwickeln kannst.
Von: Elvira Kölbl-Catic
Zwei Hände umfassen sich mit Ringen an den Fingern auf einer weißen Oberfläche.

Warum Führungsstile in der Pflege eine zentrale Rolle spielen

Die Pflege ist ein Arbeitsfeld, das von Beziehung, Vertrauen und hoher Verantwortung lebt. Mitarbeitende stehen täglich in engem Kontakt mit Patientinnen und Patienten, tragen emotionale Lasten und müssen gleichzeitig effizient arbeiten. In diesem Spannungsfeld wirkt Führung wie ein Stabilitätsanker. Führungsstile in der Pflege beeinflussen unmittelbar, wie sicher sich Mitarbeitende fühlen, wie Konflikte gelöst werden und wie belastbar Teams sind. Ein wertschätzender Führungsstil kann Motivation und Bindung stärken. Ein unklarer oder autoritärer Stil hingegen verstärkt Stress, Frustration und Fluktuation. Gerade in Zeiten von Personalmangel und steigender Arbeitsverdichtung zeigt sich, wie entscheidend Führung ist. Pflegekräfte bleiben nicht primär wegen Strukturen – sie bleiben wegen guter Führung und eines funktionierenden Teams.

Der autoritäre Führungsstil in der Pflege

Der autoritäre Führungsstil ist einer der klassischen Führungsstile in der Pflege. Entscheidungen werden hier klar von oben getroffen, Anweisungen sind verbindlich und Diskussionen begrenzt. In akuten Situationen, etwa in Notfällen, kann dieser Stil durchaus sinnvoll sein, weil schnelle Entscheidungen notwendig sind. Langfristig jedoch führt ein rein autoritärer Führungsstil häufig zu innerem Rückzug im Team. Mitarbeitende fühlen sich wenig einbezogen, Eigenverantwortung wird reduziert und Kreativität eingeschränkt. Gerade in der Pflege, wo eigenständiges Handeln im Alltag essenziell ist, kann dies problematisch werden. Führungsstile in der Pflege sollten daher bewusst situativ eingesetzt werden. Ein autoritärer Ansatz mag in Ausnahmesituationen hilfreich sein, ersetzt jedoch keine langfristig tragfähige Führungskultur.

Der kooperative Führungsstil in der Pflege

Ein kooperativer Führungsstil setzt auf Beteiligung, Dialog und gemeinsame Entscheidungsfindung. Mitarbeitende werden aktiv einbezogen, ihre Perspektiven zählen und Verantwortung wird geteilt. In der Pflege schafft dieser Ansatz häufig ein starkes Wir-Gefühl und erhöht die Identifikation mit der Einrichtung. Führungsstile in der Pflege, die auf Kooperation basieren, fördern Motivation und Selbstverantwortung. Pflegekräfte fühlen sich ernst genommen und entwickeln stärkeres Engagement. Gleichzeitig erfordert dieser Stil Klarheit in der Rolle der Führungskraft. Kooperation bedeutet nicht Beliebigkeit, sondern klare Rahmenbedingungen bei gleichzeitiger Beteiligung. In komplexen Pflegeeinrichtungen zeigt sich, dass kooperative Führungsstile besonders nachhaltig wirken, weil sie Vertrauen aufbauen und das Team langfristig stabilisieren.

Der laissez-faire Führungsstil in der Pflege

Beim laissez-faire Führungsstil greift die Führungskraft kaum ein. Mitarbeitende organisieren sich weitgehend selbst, Entscheidungen werden delegiert und Kontrolle ist minimal. Auf den ersten Blick wirkt dieser Stil modern und vertrauensvoll. In der Pflege kann ein übermäßiger Rückzug der Führung jedoch schnell zu Unsicherheit führen. Klare Strukturen und verbindliche Entscheidungen sind in einem sensiblen Arbeitsumfeld unerlässlich. Fehlt Orientierung, entstehen Konflikte, Überforderung und Unklarheit in Zuständigkeiten. Führungsstile in der Pflege brauchen daher Balance. Vertrauen und Eigenverantwortung sind wichtig, doch sie benötigen einen stabilen Rahmen und klare Kommunikation.

Situative Führungsstile in der Pflege

Moderne Ansätze betrachten Führungsstile in der Pflege zunehmend als situativ. Das bedeutet, dass die Führungskraft ihren Stil an Situation, Teamreife und Kontext anpasst. In Krisensituationen ist klare Führung gefragt, im Entwicklungsprozess eher Begleitung und Coaching. Situative Führung erfordert hohe Selbstreflexion. Leitungskräfte müssen einschätzen können, wann Struktur notwendig ist und wann Freiraum sinnvoll ist. Diese Flexibilität ist anspruchsvoll, wirkt jedoch besonders nachhaltig. Gerade in der Pflege, wo Arbeitsbedingungen schwanken und Teams unterschiedlich zusammengesetzt sind, bietet situative Führung eine realistische und praxisnahe Möglichkeit, wirksam zu bleiben.

Führungsstile in der Pflege und emotionale Intelligenz

Unabhängig vom gewählten Führungsstil spielt emotionale Intelligenz eine zentrale Rolle. Pflege ist ein emotional intensives Arbeitsfeld. Konflikte, Belastung und Erschöpfung gehören zum Alltag. Führungskräfte, die Emotionen wahrnehmen und konstruktiv damit umgehen, stärken ihre Teams. Führungsstile in der Pflege funktionieren nur dann nachhaltig, wenn sie mit Empathie und Klarheit verbunden sind. Wer Spannungen früh erkennt, offen kommuniziert und authentisch bleibt, schafft Vertrauen. Emotionale Intelligenz ergänzt strukturelle Führungskompetenz und erhöht die Stabilität im Team.

Deinen eigenen Führungsstil reflektieren

Viele Leitungskräfte übernehmen unbewusst den Führungsstil, den sie selbst erlebt haben. Doch wirksame Führungsstile in der Pflege entstehen durch bewusste Reflexion. Welche Haltung bringst Du mit? Wie reagierst Du unter Druck? Wie gehst Du mit Fehlern um? Dein Führungsstil ist eng mit Deiner Persönlichkeit verbunden. Wichtig ist nicht, ein bestimmtes Modell perfekt umzusetzen, sondern stimmig zu führen. Pflege braucht keine perfekten Führungskräfte, sondern authentische. Regelmäßige Selbstreflexion, Feedback aus dem Team und Austausch mit Kolleginnen und Kollegen helfen, den eigenen Stil weiterzuentwickeln und blinde Flecken zu erkennen.

Nachhaltige Führung in der Pflege

Langfristig erfolgreiche Führungsstile in der Pflege zeichnen sich durch Klarheit, Wertschätzung und Verlässlichkeit aus. Pflegekräfte benötigen Orientierung ebenso wie Mitgestaltung. Führung bedeutet hier, Rahmen zu schaffen, in denen Professionalität und Menschlichkeit zusammenwirken können. Eine nachhaltige Führungskultur wirkt sich nicht nur auf die Mitarbeitenden aus, sondern auch auf die Qualität der Versorgung. Zufriedene Teams arbeiten stabiler, kommunizieren besser und handeln verantwortungsvoller. Führung wird so zu einem strategischen Erfolgsfaktor.

Fazit – Führungsstile in der Pflege bewusst gestalten

Führungsstile in der Pflege sind kein theoretisches Randthema, sondern ein entscheidender Hebel für Teamstabilität, Motivation und Versorgungsqualität. Es gibt nicht den einen richtigen Stil. Entscheidend ist, dass Führung bewusst, reflektiert und situationsangepasst gestaltet wird. Wenn Du Deine Rolle klar definierst, Deine Haltung kennst und bereit bist, Dich weiterzuentwickeln, entsteht Führung, die trägt. Pflege braucht Führungskräfte, die Orientierung geben und gleichzeitig Menschlichkeit bewahren.

Über die Autorin:

Elvira Kölbl-Catic
Mentorin, Coach, Unternehmerin & Leaderin im Gesundheitswesen
Mit über 20 Jahren Erfahrung im Gesundheitswesen biete ich praxisnahes Führungskräftetraining im Gesundheitswesen und themenverwandte Seminare, die Führungskräfte und ihre Teams befähigen, ihre Potenziale auszuschöpfen, positive Unternehmenskultur zu gestalten und nachhaltigen Erfolg zu erzielen.

FAQ: Führungsstile in der Pflege

Welche Führungsstile in der Pflege sind am erfolgreichsten?
Es gibt keinen universell besten Führungsstil. In der Praxis wirken kooperative und situative Führungsstile besonders nachhaltig, da sie Beteiligung ermöglichen und gleichzeitig klare Strukturen schaffen.
Ist ein autoritärer Führungsstil in der Pflege sinnvoll?
In akuten Krisensituationen kann autoritäre Führung hilfreich sein. Langfristig jedoch sollte dieser Stil durch kooperative Elemente ergänzt werden, um Motivation und Eigenverantwortung zu fördern.
Warum sind Führungsstile in der Pflege so entscheidend?
Führungsstile beeinflussen das Teamklima, die Mitarbeiterzufriedenheit und die Qualität der Patientenversorgung. Gute Führung stabilisiert Teams und reduziert Fluktuation.
Wie finde ich meinen eigenen Führungsstil in der Pflege?
Durch Selbstreflexion, Feedback und bewusste Auseinandersetzung mit verschiedenen Führungsmodellen. Wichtig ist, dass der Stil zu Deiner Persönlichkeit und zur jeweiligen Situation passt.
Welche Rolle spielt emotionale Intelligenz bei Führungsstilen in der Pflege?
Emotionale Intelligenz ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Sie ermöglicht es Führungskräften, Spannungen frühzeitig zu erkennen, konstruktiv zu reagieren und Vertrauen im Team aufzubauen.
Können Führungsstile in der Pflege erlernt werden?
Ja. Führung ist eine entwickelbare Kompetenz. Durch Weiterbildung, Coaching und praktische Erfahrung lassen sich Führungsfähigkeiten nachhaltig stärken.

Wo finden die Live Seminare und das Coaching statt?

Das 3-tägige Live-Seminar findet im Hotel Schachner statt.
Teamentwicklung findet direkt in deiner Organisation statt, während Coaching & Workshops sowohl online, in deiner Organisation als auch in meiner Praxis in Guntramsdorf möglich ist.